Januar-Februar 2011
Der Eintrag den ich gehofft hatte, nie schreiben zu müssen.
Erdbeben in Christchurch, 22 Februar 2011
Dies sollte ein richtig positiver Eintrag werden. Das Jahr hat so gut angefangen. Ich wollte berichten über die wundervolle und inspirierende Webstock-Konferenz, das bewusstseinserweiternde Wochenende names Kiwifoo, die begeisternden Konzerte die wir erleben durften (Sufjan Stevens, Tricky, Amanda Palmer & Jason Webley – alle innerhalb von nur drei Wochen), die spannenden neuen Entwicklungen bei der Arbeit.
Und dann zerbrach die Welt in Stücke. Nicht bei uns, jedenfalls nicht direkt. Aber in unserem Land, und für unsere Freunde. und auf einmal bekam alles eine völlig neue Perspektive.
Um 12:51 Uhr am 22. Februar, während der Mittagspause an einem sonnigen Dienstagnachmittag, wurde Christchurch von einem Erdbeben der Stärke 6,3 erschüttert. Anders als bei dem grossen 7,1 Beben im September 2010 war dieses viel näher an der Erdoberfläche, mit einem Epizentrum fast direkt in der Stadt, und es fand mitten am Tag statt. Aus diesen Gründen verursachte es diesmal erhebliche Schäden und kostete viele Menschenleben. Das Erdbeben kam zu einem Zeitpunkt als die Menschen in der Canterbury-Region, die im letzten halben Jahr bereits tausende Nachbeben erdulden mussten, endlich langsam wieder in die Normalität zurückfanden. Mir fehlen die Worte um zu beschreiben was für einen tiefen Einschnitt diese Katastrophe direkt ins Herz der Nation verursacht hat.
Wie meistens hat Wikipedia eine gute Zusammenfassung der Fakten und Links zu weiteren Quellen, so dass ich hier im Interesse der Schnelligkeit nicht in Details gehen will. Jetzt, eine Woche später, ist es immer noch kaum vorstellbar wie tiefgreifend die Auswirkungen sind. Es wurde der nationale Notstand ausgerufen und die Such- und Rettungsaktionen sind immer noch im Gange – während ich dies hier schreibe werden noch über 200 Menschen vermisst. Ganze Viertel sind immer noch ohne Strom, Wasser, oder funktionierende Abwasserkanalisation; die Menschen leben in den Ruinen ihrer Häuser, und der Grund um sie herum hat sich verflüssigt. Tausende sind aus der Stadt geflohen – werden sie zurückkehren? Was passiert nach den Aufräumarbeiten – kann man auf einem so instabilen Untergrund überhaupt wieder aufbauen? Wie wirkt sich das alles auf die Wirtschaft aus? (Im Moment schätzt man die Kosten auf NZ$16 Milliarden – aber wer weiss das schon?) Ganz zu schweigen von der nationalen Psyche – werden wir uns je wieder in unseren eigenen Häusern sicher fühlen? (Gesten abend gab es in Wellington ein Erdbeben der Stärke 4,5 das alle sehr nervös machte – doch in Christchurch hatten sie 20 Nachbeben stärker als 4,5 allein in den 24 Stunden nach dem grossen Beben.)
Und doch, so schlimm all das war und immer noch ist, so hat doch die Katastrophe auch das beste in den Menschen hervorgebracht. Überall kommen Nachbarn und Gemeinden zusammen, teilen was sie haben und helfen und unterstützen einander. Innnerhalb einer Stunde nach dem Erdbeben erstellten engagierte Menschen in der neuseeländischen IT-Branche eq.org.nz, eine Webseite die auf einer open-source Platform basiert und Karten und Links zu Dienstleistungen und anderen lebenswichtigen Informationen bietet. Die Details sind crowd-sourced, kommen also von Menschen im ganzen Land, und die Betreiber der Seite haben seither unermüdlich gearbeitet um sie auf dem neuesten Stand zu halten. Es ist schwer zu beschreiben wie sehr ich diesen Einsatz anerkenne und bewundere.
Kia kaha, Christchurch.

Wie man helfen kann
Das Erdbeben ist schon wieder so gut wie aus den internationalen Medien verschwunden. Für die Menschen in Christchurch wird es aber noch lange Zeit schlimme Konsequenzen haben. Hier sind ein paar Möglichkeiten, zu helfen:
- Spenden an das Rote Kreuz (Red Cross Earthquake Appeal) oder die neuseeländische Regierung (Christchurch Earthquake Appeal), für bitter notwendige Hilfsleitungen für die betroffenen Menschen.
- Mithilfe an der open-source, von der Community betriebenen Christchurch Recovery Map.
- Worte der Unterstützung durch amos.org.nz – Nachrichten werden ausgeruckt und aufgehängt so dass sie von vielen gesehen werden.
Leider sind alle Links auf englisch; ich konnte keine deutschen Aktionen finden.
Weitere Informationen
- Christchurch Recovery Map – ein Community-Projekt das Informationen und Dienstleistungen zur Verfügung stellt (auf englisch).
- “There are THREE cities in Christchurch right now, not one.” – sehr bewegender Blogeintrag von Peter Hyde, einem Bewohner von Christchurch, über die Auswirkungen des Erdbebens auf die verschiedenen Teile der Stadt, und ein Ruf nach Hilfe für diejenigen die von den Autoritäten und den Medien ignoriert werden (auf englisch).
- Bilder von Christchurch vor und nach dem Erdebeben (Link zu stuff.co.nz)
- Bildergallery die die Auswirkungen des Bebens zeigt (Link zu nzherald.co.nz)
- Pressefotos bei The Atlantic und The Big Picture
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