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Januar-Juni 2009

June 30, 2009

Biete Lebenserfahrung und Urlaubsbilder.

Zweitausendneuneinhalb

Dekoration zum Cuba St Carnival

Nun da ich mich rasant dem Schwabenalter nähere und damit vielleicht auch ein bisschen weiser werde, verstehe ich so langsam was es bedeutet dass “die Tage lang sind, aber die Jahre kurz”. Die ersten sechs Monate des Jahres 2009 waren vor allem eine Kette von langen und sehr vollen Tagen, aber mal ehrlich, es kann doch nicht sein dass das Jahr schon wieder halb vorüber ist? Die Weisheit, so glaube ich, kommt wohl daher, den Prozess des Alltags zu schätzen, und das habe ich auch mehr oder weniger geschafft. Sehr viel zu arbeiten führt aber leider nicht zu allzu vielen blog-werten Neuigkeiten.

Wie auch der Rest der Welt hatte Neuseeland seinen Anteil an der globalen Krise und den dazugehörigen Weltuntergangsszenarien. Da gab es Schweinegrippehysterie und Massenentlassungen, Preisanstieg und Haushaltskrise, und auch die Steuererleichterungen die man uns im Wahlkampf versprochen hatte sind vom Tisch. (Weil ich von Anfang an nicht an sie geglaubt hatte war das zwar irgendwie enttäuschend, doch kaum überraschend.)

Die Freuden des Globalismus: Importierte Kiwis aus Italien

Auf globaler Ebene kam Neuseeland vor allem deshalb in die Schlagzeilen weil ein neuseeländisches Paar, dessen Bank versehentlich 10 Millionen Dollar in deren Konto deponierte, daraufhin prompt das Land verliess und es schaffte, knapp 4 Millionen abzuheben bevor man es merkte. Bei der allgemeinen weltweiten Stimmung gegenüber den Banken ist es nicht erstaunlich dass die Geschichte mit ziemlich viel Schadenfreude aufgenommen wurde, und nicht wenige die zufälligen Millionäre und Diebe offen bewunderten.

Mal wieder die Südinsel

Der Northern Walkway - ein Wanderweg bei Wellington

Dafür dass mein Leben in der ersten Jahreshälfte nicht total ohne jegliche soziale Aktivitäten verlief habe ich meiner Mutter und meinem Bruder zu verdanken, die uns auf ihrem Neuseelandurlaub im März besuchten. Nach einem Aufenthalt bei uns hier in Wellington ergriffen wir die Gelegenheit, mit ihnen für eine Weile auf die Südinsel zu reisen.

An einem ziemlich grauen Morgen gingen wir an Bord der Fähre nach Picton. Die Überfahrt verlief ohne Probleme, doch als wir unser Mietauto abholen wollten fanden wir uns in einer Szene die an die amerikanische Serie Seinfeld erinnerte: Zwar hatte die Mietfirma unsere Reservierung bestätigt, aber keinen Wagen mit Automatikschaltung bereitgehalten. Das letzte Mal dass ich mit manueller Schaltung fuhr war vor etwa zwei Jahrzehnten, und ich hatte nicht vor mit einem Auto voller Leute im strömenden Regen auf den kurvenreichen Strassen Neuseelands zu üben. Zum Glück erwies sich der Angestellte der Mietfirma as hilfreich, und am Ende bekamen wir dann sogar ein besseres Auto. Auch nicht schlecht.

Unser erstes Ziel war Marahau am südlichen Eingange zum Abel Tasman National Park. Marahau ist eine winzige Ortschaft, da wo die Strasse aufhört und der Nationalpark beginnt. Obwohl es so entlegen ist gibt es dort ein hervorragendes Restaurant und alle möglichen Einrichtungen und Angebote für eine Erkundung des Parks.

Blick auf Wellington vom Mt Kaukau

Wir buchten eine Fahrt mit dem Wassertaxi nach Norden zur Tonga Bay, und auf dem Weg dorthin hielten wir ein paar Mal um mehr über die örtliche Geschichte und Natur zu lernen. Nach unserer Ankunft machten wir uns dann auf, ein Stück des  Abel Tasman Coastal Track wieder zurück nach Süden zu wandern. Der Abel Tasman Nationalpark ist atemberaubend schön, mit weissen Sandstränden, grünen Hügeln und Wasser so blau dass es fast künstlich erscheint. Aus diesem Grund, und weil der Wanderweg relativ einfach zu bewältigen ist, ist der Park sehr beliebt, vor allem, wie es scheint, bei meinen Landsleuten: Ich glaube wir hörten mehr deutsch auf dieser Strecke als in der Stuttgarter Fussgängerzone.

Tonga Bay, Abel Tasman National Park

Vom Abel Tasman fuhren wir wieder zurück nach Picton und weiter in die Marlborough Sounds zu der wunderbaren Lochmara Lodge. Es war genau so  grossartig wie bei unserem ersten Besuch, und die Mahlzeiten die wir dort hatten bestätigten für mich dass das Restaurant der Lochmara Lodge dass beste im ganzen Land ist.

Meer und Berge

Der Pacific in Kaikoura

Von Picton aus fuhren wir weiter nach Süden, durch das Weingebiet von Marlborough bei Blenheim, eines der ältesten in Neuseeland, und dann der Küste entlang nach Kaikoura. Dieser Teil der Südinsel mit seinen kahlen Hügeln war neu für mich, und es ist immer wieder faszinierend zu erleben wie schnell sich hier die Landschaft verändert.

In Kaikoura dreht sich natürlich alles um Wale. Die Stadt selber ist zwar geographisch gesehen sehr beeindruckend, mit Bergen die fast ans Meer heranreichen, aber ansonsten nicht der Rede wert: Wie so viele Orte in Neuseeland ist Kaikoura nicht viel mehr als ein langes Strassendorf mit aneinandergereihten Motels und sonstigen Einrichtungen ganz auf die vielen Besucher ausgerichtet. Die geologische und tektonische Besonderheit der Gegend um Kaikoura ist dass dort die Pazifische und die Australische Platte aufeinandertreffen und dadurch tiefe Unterwassergräben entstehen. Das zieht eine ausserordentlich grosse und diverse Menge an Meerestieren an, von Walen und Delfinen bis hin zu anderen Meeressäugern, Fischen und Wirbellosen. Und all die ziehen wiederum Touristen an.

Hanmer Springs

Wahrscheinlich hätten wir uns keinen ungeeigneteren Tag für unsere Whale Watch® tour aussuchen können. Das Wetter war ausserordentlich stürmisch und das Meer hatte starken Wellengang.  “Extreme Seasickness Warning” (Warnung: Extremes Seekrankheitsrisiko) stand auf den Anzeigetafeln als wir uns am Treffpunkt einfanden. “Kein Problem!”, dachte ich, “schliesslich habe ich schon ganz andere Stürme überstanden. Das kann mir gar nichts anhaben.” Hochmut kommt vor dem Fall.

Man sagt unsere Tour hatte aussergewöhnliches Glück, denn wir sahen viel mehr Wale as üblich, ausserdem Schwarzdelfine, Robben und viele Seevögel. Ich kann das selber nicht bestätigen. Die erste Hälfte der Tour verbrachte ich in der Angst, sterben zu müssen. In der zweiten Hälfte war ich dazu bereit und fürchtete nur noch dass mir diese Erlösung nicht gegönnt sei. Vielleicht wird mich ja diese Erfahrung endlich lehren, mich von kleinen Booten fernzuhalten sobald die Windstärke 2 übersteigt.

In den Hügeln bei Wellington

Wieder auf festem Boden war ich reif für weniger aufregende Aktivitäten. Wir setzten unsere Reise fort in Richtung Berge, nach Hanmer Springs. Hanmer ist ein alpines Dorf das vor allem für seine Mineralbäder und Wellness-Center bekannt ist. Mit seinen gigantischen Redwoodbäumen die die Hauptstrasse säumen erinnerte es mich stark an Nordkalifornien. Die riesige und schön bepflanzte Bäderanlage war entspannt, und es gibt um Hamner viele Wanderwege mit teilweise atemberaubenden Aussichten. Es war ein perfekter Abschluss des gemeinsamen Urlaubs für mich denn ich musste wieder zurück nach Wellington und zur Arbeit. Ganz bestimmt will ich aber wieder einmal zurückkommen.

Ein paar Bilder von unserem Urlaub sind in meinem South Island Holiday Photo Album zu finden. Noch mehr und viele bessere gibts bei meinem Bruder im Reisebilderbuch Neuseeland.

Musik ist Trumpf

Endlich!

Diesmal haben wir es geschafft, und das gerade noch rechtzeitig: Nach unserem missglückten Versuch vor ein paar Jahren, Nine Inch Nails in Sydney zu sehen, waren wir begeistert als wir herausfanden dass sie im Februar nach Auckland kommen würden. Es war eines der Konzerte die  zwischen die grosse Lights in the Sky Tour von 2008 und die NIN|JA Tour 2009 eingeschoben wurden, ohne besondere Bühnenshow, doch mit einem hervorragenden Set mit sowohl älterem als auch neuerem Material. Der Tag des Konzerts, so stellte es sich heraus, war auch der an dem Trent Reznor das Ende seiner Touren verkündete (für eine Weile oder auch für immer—man weiss es nicht). Zum Glück las ich das erst am nächsten Tag so dass ich das Konzert in seliger Unwissenheit geniessen konnte.

Ausserdem konnte ich auch ein Konzert von David Byrne besuchen (zum zweiten Mal – wir hatten ihn vor einigen Jahren in San Francisco gesehen). Das war ein ziemliches Kontrastprogramm, diesmal in Wellington, mit einer weissgekleideten choreographierten Tanztruppe, und an einem Punkt, David Byrne selbst im Ballettröckchen. Hervorragend.

Und schliesslich habe ich 2009 ein Hobby wieder aufgenommen das die letzten zwei Jahrzehnte brachgelegen hatte: Ich fing wieder an, Gitarre zu spielen. Auch wenn ich anfangs überzeugt war dass meine Finger seit dem 80er Jahren zu kurzen Wurstfingern geschrumpft sind, sagt das Internet dass alles nur Übungssache ist, und so bin ich hoffnungsvoll. Und bis ich wieder richtig G und F greifen kann ist es zumindest ein kreativer Ausgleich.

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