Juli-August 2007
In dem ich meine Tour großer Städte in aller Welt fortsetze. Das Leben imitiert die Kunst, und manche Leute verstehen keinen Spaß. Es ist keine gute Zeit, um ein Haus zu kaufen. Oder einen Apfel zu verkaufen.
Jetzt versuche ich mal was neues: kürzere Blogeinträge, aber dafür öfter. Die Zeit vergeht eben wirklich wie im Flug, und mit jedem Monat ohne neuen Eintrag wird es ein bisschen schwieriger, sich zu erinnern was los war, interessante Themen auszuwählen, nachzuforschen und zu schreiben—und dann auch noch zu übersetzen. Lange Rede, kurzer Sinn, hier bin ich also schon wieder nach nur zwei Monaten mit meinen Neuigkeiten aus aller Welt.
Fragen Sie nicht nach dem Stephansdom

Kaiserliches Wien
Buchstäblich aus aller Welt, denn wie schon letztes Jahr beschloss ich auch 2007 wieder, dem südlichen Winter zu entfliehen und meiner Familie in Deutschland einen Besuch abzustatten. Diesmal ging ich für zwei Wochen im Juli, und wie beim letzten Mal war auch dieses Jahr der deutsche Sommer bis zu diesem Zeitpunkt eher mittelprächtig gewesen. Aber genau wie im Vorjahr kam pünktlich zu meiner Ankunft eine Hitzewelle über Mitteleuropa, und so konnte ich während so ziemlich meines ganzen Urlaubs sommerlich-heiße Temperaturen genießen.
Einen Großteil meines diesjährigen Besuchs verbrachte ich gar nicht in Deutschland, sondern mit der Familie in Wien. Es war nicht mein erstes Mal, aber der letzte Besuch lag eine lange Zeit zurück, irgendwann in den 90er Jahren, und die Stadt ist immer eine Reise wert. Wien ist großstädtisch und kosmopolitisch; sehr europäisch (Geschichte auf Schritt und Tritt); auch sehr osteuropäisch. Und Wiens Kaffee ist der einzige der Wellington Konkurrenz machen kann.
Abgesehen von diesem Ausflug verbrachte ich einen hauptsächlich ruhigen und erholsamen Urlaub der wie immer viel zu schnell vorbeiging. Am Ende blieb ich dann fast noch in Deutschland sitzen! Ich kam mir vor wie bei den Simpsons (“Es ist unser Grundsatz, Flüge zu überbuchen, weshalb dieser Flug nun überbucht ist”) als ich am Frankfurter Flughafen ankam und Lufthansa mir mitteilte, ich sei auf einer “Warteliste”. Dem waren bereits allenfalls mittelmäßiger Service und ein selbst für die Economy Class unbequemer, beengter Hinflug vorausgegangen. Ich erspare euch die Einzelheiten; jedenfalls verbrachte ich ein paar ziemlich nervöse Stunden auf dem überfüllten Gang (denn ohne Bordkarte darf man auch nicht in den Warteraum) bevor sie mich dann 4 Minuten vor der offiziellen Abflugzeit endlich doch noch ins Flugzeug ließen. Ziemlich schäbig, mit Leuten die mehrere Anschlußflüge haben, so umzuspringen. Auf meine höflich-aber-unzufriedene Email die ich später von zu Hause aus schrieb, bekam ich aber nur eine Menge Geschwafel a la “Lufthansa ist stolz darauf, eine Fluggesellschaft von höchster Qualität zu sein, und bestrebt ständig, Kundendienst auf einem Niveau zu leisten das diesem Image entspricht…bitte akzeptieren Sie unsere aufrichtige Entschuldigung für die Unannehmlichkeiten.” Bla.
Disneyland mit Todesstrafe

Überall Buddhistentempel
Der Grund warum ich meinen Flug nicht verpassen wollte war dass ich für meinen Rückweg nach Neuseeland einen Kurzurlaub in Singapur geplant hatte. Als ich letztes Jahr in Hong Kong umstieg wünschte ich, ich hätte einen oder zwei Tage Zeit genommen um die Stadt zu sehen, und so hatte ich dieses Mal eine Übernachtung im Hotel gebucht und meine Flüge so eingerichtet, dass ich einen ganzen Tag Zeit hatte, Singapur zu erkunden.
Wo soll ich anfangen? Es war sehr interessant; ein sehr dichter, voller Tag. Eine dieser Erfahrung die noch lange nachhallen und einem durch den Kopf gehen wenn man schon längst wieder woanders ist. Ich habe seit meiner Rückkehr eine ganze Menge über diesen Tag nachgedacht, mich an dieses erinnert, jenes zu schätzen gelernt. Und doch, während ich dort war, war es auch irgendwie stressig. Überwältigend, intensiv, faszinierend—klar, all das, und gleichzeitig vielleicht auch ein bisschen viel auf einmal. Natürlich ist das nicht verwunderlich wenn man versucht, eine Menge in einen einzigen Tag zu packen. Und ich mags ja intensiv und würde es auch jederzeit wieder tun.

Sar Hor Fun
Diejenigen die mich kennen wird es wenig überraschen dass mich vor allem eines an Singapur interessierte: Essen. Singapur ist ein bisschen wie eine Miniausgabe von Asien (Chinesen, Malaien und Inder sind die größten Volksgruppen) auf nur 700 Km2. Anthony Bourdain, wahnsinnig-wunderbarer Küchenchef und Journalist hat gleich zwei Kapitel über Singapur in seinem neuesten Buch, ‘Kleine Schweinereien’, und wie üblich trifft er den Nagel auf den Kopf wenn er schreibt, “Singapur ist wohl das Paradies auf Erden für alle die verrückt nach gutem Essen sind. Und damit sind keine ‘Gourmets’ gemeint.[...] Singapurer sind keine Feinschmecker. Sie essen einfach gern.”
Es stimmt. Überall wird gegessen. Ich hätte am liebsten meine 24 Stunden damit verbracht, alle Speisen zu versuchen. Besonders interessant sind die allgegenwärtigen “Hawker Centres”—Esshallen unter freiem Himmel mit einer Unzahl verschiedener Stände wo man eine unvorstellbare Auswahl an günstigen Speisen bekommt. Die Stände sind in langen Reihen, und in der Mitte stehen Tische und Stühle. Man bestellt sein Essen und setzt sich irgendwo hin; es ist gang und gäbe, sich einen Tisch zu teilen. Oder man geht einfach auf und ab und lässt sich von all den Anblicken und Gerüchen verzaubern. Die Hawker Centres waren gefielen mir von ganz Singapur am besten.
Abgesehen von meinem Zwischenstopp am Flughafen von Hong Kong letztes Jahr war dies mein erster Aufenthalt überhaupt in Asien. So kann ich es eigentlich nicht vergleichen, aber Singapur war wie ich mir Beijing in 10 Jahren vorstelle. Es kam mir sehr chinesisch vor, und man fällt als Westeuropäer auf jeden Fall auf (es kommt auch nicht oft vor dass ich zu den großen gehöre). Ein Eindruck den ich während meines kurzen Besuchs bekam war dass die Menschen sehr hilfsbereit waren (als ich zu doof müde war zu blicken wie das U-Bahnticket gescannt werden musste dauerte es nur ein paar Sekunden bis ein hilfsbereiter Einheimischer auf mich zukam und mir half), jedoch nicht so sehr herzlich und freundlich wie in Neuseeland, sondern immer höflich reserviert.

Überall Hindutempel
Ich verbrachte meinen Tag indem ich mehrere Stadtrundgänge machte die mein Reiseführer vorgeschlagen hatte. Sie führten mich durch Chinatown und Little India mit ihrem Tempeln und Märkten, nach Kampong Glam, dem muslimischen Zentrum von Singapur, zum glitzernden Einkaufsviertel entlang der Orchard Road, und schließlich durch das koloniale Singapur entlang des Singapore River. Ich hoffe dass mein Fotoalbum ein bisschen die Vielfalt der Eindrücke widerspiegelt, trotz des bedeckten Himmels. Mein Lieblingsviertel war Little India mit der unbeschreiblichen Tekka Mall, den kleinen Läden, Gassen und Hinterhöfen die nicht ganz dem Bild vom adretten, sauberen, hoch organisierten Singapur entsprechen wollten sondern gewachsen und, nun ja, menschlich schienen.
Was hat es also auf sich mit all dem was man so gewöhnlich mit Singapur verbindet? Der Hitze? Dem Kaugummiverbot? Den extremen Strafgebühren für alles mögliche und dem autoritären Regime das in dem berühmten Wired Artikel von 1993 als ‘Disneyland mit Todesstrafe’ beschrieben wurde? Nun ja, wie die meisten Vorurteile beruhen auch diese ziemlich auf der Wirklichkeit.
Erstens, die Hitze. Ich habe ja schon ein- oder 500 Mal erwähnt dass ich die Hitze liebe. Ich bin jemand die auch noch während der ersten fünf Minuten in der Sauna zittert, deshalb, je heißer desto besser. Vor allem jetzt, wo ich an einem Ort wohne wo es so gut wie nie richtig heiß wird. Alle beschweren sich über die Hitze in Singapur, und zugegebenermaßen, kombiniert mit der hohen Luftfeuchtigkeit kann es anstrengend sein. Mir machte es keine Probleme, auch wenn es einem wie ein warmes, nasses Handtuch ins Gesicht schlägt. Was mich jedoch nervte was waren die allgegenwärtigen Klimaanlagen die einem die nassen, verschwitzten Gelenke gefrieren lassen sobald man ein Gebäudes betritt. Ich hasse Klimaanlagen fast so sehr wie ich Hitze liebe, und deshalb habe ich, anders als die restlichen vier Millionen Menschen in der Stadt, so viel Zeit wie möglich draußen verbracht.

Überall Einkaufstempel
Kaugummi ist nicht mehr illegal, dank der Bemühungen von Wrigley’s (kein Witz) und dem Freihandelsabkommen zwischen den USA und Singapur das vor ein paar Jahren in Kraft trat. Kaugummi auf der Straße ausspucken ist aber immer noch verboten und kostet $1000 Strafe. Ich muss zugeben dass ich Singapur in dieser Hinsicht sehr zwiespältig fand. Auf der einen Seite war es angenehm in einer Stadt zu sein in der alles schön sauber und sicher ist, und wo ich zu jeder Tages- und Nachtzeit auch alleine ohne Bedenken unterwegs sein konnte. Aber wenn man in Betracht zieht dass diese Sicherheit und Sauberkeit nur mit beträchtlichen Einschränkungen der individuellen Freiheiten erreicht werden, und mit drakonischen Strafen für selbst (zumindest in unseren westlichen Augen) geringfügige Vergehen, dann ist das doch ein verdammt hoher Preis.
Das gruseligste war dieses Video das in einer Endlosschleife (und in mehreren Sprachen) in der U-Bahn lief. Es hatte den Titel “Terrorismus ist Wirklichkeit” und begann mit einem verdächtig aussehenden Typ in der U-Bahn der seine Tasche unter den Sitz schiebt und dann aussteigt. Man sieht in die Station verlassen, sein Handy hervorholen und etwas eintippen. Das Bild geht dann zurück zur U-Bahn, die in dem Moment in einem Feuerball explodiert. Als ob die schrecklichen Details dieser Explosion nicht genug wären, zeigen sie dann Bilder von den Bombenanschlägen in Madrid und London, während die Passagiere aufgefordert werden, wachsam zu sein und alles verdächtige den Autoritäten zu melden, bevor es wieder von vorne anfängt. Makaber.
Malen kann man alles
Heutzutage ist es nicht einfach, gute Satire zu produzieren. Man stelle sich vor man arbeitet für Titanic oder The Onion und schreibt absurde, überzogene Schlagzeilen und Geschichten—aber wenn man die Zeitung aufschlägt sind die “echten” Nachrichten noch viel lächerlicher und aberwitziger als alles was man selbst erfunden hatte. Die Grenzen werden immer verschwommener, und es sollte niemanden verwundern dass die satirische Daily Show, “die Nachrichtenfälschung der die Leute vertrauen”, wie es in der Werbung heißt, inzwischen schlicht und einfach zur Nachrichtenquelle der die meisten Leute vertrauen geworden ist.

Gefälschter Tornado über New Plymouth
Und natürlich bemühen sich die Medien auch nicht gerade allzu sehr um unser Vertrauen. Ein Beispiel: Anfang Juli gab es über der Stadt New Plymouth (etwa 350 km nördlich von Wellington, an der Westküste) mehrere Tornados die relativ starke Verwüstungen anrichteten—entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer und so halt (wenn man die Bauweise der meisten Gebäude hier anschaut muss es einen eigentlich wundern dass es einen Tornado braucht um sie zusammenbrechen zu lassen…aber nicht schon wieder das alte Thema). Jedenfalls machte sich eine Einwohnerin einen Spaß mit Photoshop, schnitt ein Bild von einem Twister in eine Aufnahme der Stadt und schickte es via Email an ein paar Leute. Nicht verwunderlich machte das gefälschte Bild bald die Runde durch das ganze Land, auch zu den Medien. Und so kam es dass nicht nur eine sondern gleich zwei große Fernsehsender es als Leitfoto für die Berichterstattung benutzten. Nein, niemand hatte sich die Mühe gemacht, zu prüfen ob es echt war. Die verwunderte Photoshopperin kommentierte später: “Das ganze habe ich in zwei Minuten zusammengestellt und es war so offensichtlich frisiert dass es schon peinlich war.”
Schluss mit lustig

Dieses Bild ist verboten: Unsere Parlamentarier bei der Arbeit
Peinlich fanden es wohl auch Politiker wenn sie wenig schmeichelhafte Fotos von ihnen selbst in der Zeitung sahen. Aber glücklicherweise sind es ja sie, die die Regeln bestimmen, und so gab es Ende Juni im Parlament einen ungewöhnlich einstimmigen (115 zu 6) Beschluss für eine neue Regelung die es den Zeitungen verbietet, “journalistische Satire oder Berichterstattung die Parlamentarier lächerlich macht oder verunglimpft” zu drucken. Fotografen können keine Bilder während der Sitzungen mehr machen (Fernsehkameras dürfen allerdings weiterhin laufen), und wenn Bilder in satirischer Weise benutzt werden kann es Strafen wegen Missachtung des Parlaments geben. “Neuseeland bannt Satire”, lachte der Rest der Welt, oder zumindest die, die die Nachricht erreichte. Natürlich führte der bevorstehende Fotobann sofort dazu dass Fotografen alle möglichen, bald illegalen, Fotos machten, und innerhalb nicht einmal einer Stunde hatten sie eine amüsante, oder aus der Perspektive eines Steuerzahlers, deprimierende Serie von Bildern von Parlamentariern beim simsen, lesen (und nicht nur Zeitungen sondern z.B. Modezeitschriften), gähnen, obszönen Handbewegungen mache, und generell so ziemlich alles außer der eigentlichen Sitzung Aufmerksamkeit zu zollen.
Irgendwie erinnert mich das ganze an damals als der Chefclown der Bush-Regierung, Donald “altes Europa” Rumsfeld versuchte, die Welt davon zu überzeugen dass das Problem mit Folter und Missbrauch in Bagdads Abu-Ghuraib-Gefängnis nicht in den abscheulichen Taten selbst lag, sondern darin, dass Digitalkameras es möglich machten dass die Bilder öffentlich wurden und um die Welt gingen. Die Lösung: Klar, Digitalkameras verbieten. Natürlich sind die Missetaten von Neuseelands schläfrigen, unbändigen Parlamentariern dem gegenüber unwichtig, und dennoch, es ist ein Schlag für alle die glauben dass Zensur keinen Platz hat in einer freien Gesellschaft (und die wir in *unseren* Jobs ja auch nicht schlafen oder Zeitschriften lesen dürfen). Aber auf der anderen Seite ist es schon auch komisch—ein Witz der sich sozusagen selbst schreibt. (Hier ist was die Daily Show dazu zu sagen hatte.)
Achterbahn

Winterweinberg, hat nur sehr indirekt mit der Finanzwelt zu tun
Wie auch der Rest der Welt war Neuseeland von der weltweiten Finanzkrise betroffen, oder wie auch immer man den Zusammenbruch des amerikanischen Subprime-Markts und den darauf folgenden Domino-Effekt auf die Weltwirtschaft nennen will. Die Finanzmärkte sind schon seit längerem ein grosses Thema hier: In den vergangenen fünf Monaten hob die Zentralbank die Zinssätze vier mal in Folge an; die Leitzinsen sind nun bei 8,25%, die höchsten in der industrialisierten Welt. Schluck. Der Zweck der Übung war, die Leute von weiteren Krediten abzuhalten und die Wirtschaft und den Anstieg des Neuseelanddollars zu verlangsamen, welcher sich unaufhaltsam der US$80c Schwelle näherte und sie schließlich überstieg.
Eine beängstigende Entwicklung für alle die eine Hypothek haben oder versuchen, in den Immobilienmarkt einzusteigen. (Wenn ich einen Cent hätte für jedes Mal als ich dachte, Wohnraum kann nun wirklich nicht mehr unerschwinglicher werden…nun, das würde mir auch nicht weiterhelfen denn ich könnte mir immer noch nicht die durchschnittliche Anzahlung leisten.) Andererseits war es der richtige Moment für all die lang aufgeschobenen Bestellungen von Amazon.com, und für Reisen ins Ausland, wo ich eben die deutsche Wirtschaft mit all meinen vielen Euros unterstützte. Jetzt, Ende August, dank des Zusammenbruchs all dieser Banken in den USA, ist der Dollar wieder da wo er Anfang des Jahres war, der Aktienmarkt dümpelt so vor sich hin (allerdings nicht so schlimm wie an den grossen Börsen) und anstatt der Exporteure jammern nun die Importeure. Alles fast so wie früher.
Die Rente ist sicher
All diese Zinserhöhungen zeigten nur wenig Erfolg wenn es darum ging, die Leute vom Konsum auf Kredit abzuhalten und stattdessen mehr zu sparen. Und ich verstehe sowieso nicht warum das Ziel der Immobilienmarkt ist, denn der Effekt ist ja dass durchschnittliche und sogar ziemlich wohlhabende Menschen es sich nicht mehr leisten können, ein Haus zu kaufen um darin zu wohnen. Um den Anstieg wirklich zu verlangsamen, warum eigentlich nicht die besteuern, welche in Immobilien investieren und die im Moment ohne Ende Häuser und Grundstücke kaufen (oft mit ausländischem Geld, und deswegen immer noch ziemlich günstig), und dann nach kurzer Zeit mit hohem und steuerfreiem Gewinn verkaufen? Aber wie üblich fragt mich ja keiner, und das was sowieso nicht das Thema auf das ich hinauswollte.

Wellington Hafendetail, ebenfalls ohne Bezug zur Finanzwelt
Stattdessen wollte ich über Kiwisaver, schreiben, ein neues Angebot der Regierung das den Leuten hilft, auf ihren Ruhestand zu sparen. Es wurde mit dem 2007 Etat vorgestellt und die erste Phase trat bereits im Juli in Effekt. Kiwisaver setzt sich aus einer Anzahl Komponenten zusammen: Beiträge vom Gehalt des Arbeitnehmers (4% oder 8%), Beiträge vom Arbeitgeber, eine Steuervergünstigung, einen Startbeitrag von $1000, sowie mögliche Unterstützung für die Anzahlung für ein erstes Haus. Mehrere Finanzinstitutionen bieten verschiedene Investitionspakete an, aus denen man wählen kann. Es gibt eine Werbekampagne der Regierung die zum Ziel hat, die Bevölkerung über die Möglichkeiten aufzuklären und sie zum Beitritt zu ermutigen.
Man wird sehen wie gut Kiwisaver angenommen wird—zumindest an meinem Arbeitsplatz war es bisher kein Thema, aber wenn ich es richtige verstehen werden Arbeitnehmer die eine neue Stelle annehmen automatisch eingeschrieben (es sei denn man will das explizit nicht), und ich nehme einmal an dass die Beitrittszahlen nächstes Jahr hochgehen, wenn auch Arbeitgeber ihren Beitrag leisten müssen. Andererseits ist nächstes Jahr auch schon wieder ein Wahljahr, und es wird spekuliert was mit Kiwisaver passiert wenn die konservative National Party die Wahlen gewinnen sollte. Diese hat bereits verlauten lassen dass sie Veränderungen vornehmen könnte, auch wenn sie das Programm generell beibehalten würden—nicht gerade eine furchtbar vertrauenserweckende Aussage.
Ich glaube dass Kiwisaver im Grossen und Ganzen eine gute Sache ist. Es ist auf jeden Fall eine gute Idee, die Altersvorsorge zum Thema zu machen in einem Land, wo die Ersparnisse der meisten Leute nur in ihrem Haus bestehen, welches im gegenwärtigen Markt (siehe oben) weder garantiert dauerhaft in Wert steigt noch etwas ist das man einfach so schnell mal in Bares umwandeln kann wenn es um das eigene Haus geht. Die Details von Kiwisaver mögen vielleicht noch nicht ganz definiert sein, aber meiner Meinung nach ist es ein Schritt in die richtige Richtung.
Verbotene Früchte

Nein danke
Was denkt man wenn man eine Schlagzeile über einen eskalierenden “Apple” Konflikt liest? —”Was führt Steve Jobs jetzt schon wieder im Schilde”, stimmts? Mir fielen diese und ähnliche Schlagzeilen schon seit einer Weile auf, und nun habe ich endlich einmal nachgelesen und herausgefunden dass es hier überhaupt nicht um das Neueste aus Cupertino geht, sondern um Obst. Es stellte sich heraus dass wir im Streit mit unseren Nachbarn liegen weil die uns keine neuseeländischen Äpfel nach Australien einführen lassen. Seit 1921! Das geht nun schon seit 86 Jahren so! Irgendwann zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg entdeckte man in Neuseelands Obstplantagen den so-genannten Feuerbrand, eine Apfelkrankheit. Seit dieser Zeit verweigern die Aussies die Einfuhr unserer Äpfel in ihr Land, und das obwohl wir schon seit fast drei Jahrzehnten ein Freihandelsabkommen mit ihnen haben (und kein geringes: zusammen macht der Wert der gehandelten Waren um die 16 Milliarden Neuseelanddollar aus), wir haben wieder und wieder schön bitte gesagt, und überhaupt glauben heutzutage die meisten dass es höchst unwahrscheinlich ist dass man diese Krankheit durch reife, kommerziell angebaute Früchte verbreiten kann.
Jetzt haben wir die Schnauze voll: Wir bringen sie vor Gericht, genauer, die Welthandelsorganisation WTO, um den Streitfall ein für allemal beizulegen. Und weil wir schon dabei waren, haben wir ihnen auch gleich noch gesagt, sie sollten doch einfach den Mund halten und sich nicht in neuseeländische Angelegenheiten einmischen. (Die australische Regierung hatte einen Kommentar zu der Enthüllung abgegeben, dass Air New Zealand australische Truppen nach Kuwait geflogen hatte als Zwischenstation für den Irakkrieg, den die neuseeländische Regierung offen kritisiert hatte. Ups!) Ganz schön dreist. Aber das kommt davon wenn man unsere Äpfel nicht mag.

>Mondfinsternis am 28. August (Bild voll geklaut)
“Wir werden unsere Position vehement verteidigen und bis zum bitteren Ende kämpfen, grrr”, erwiderte die australische Regierung in Bezug auf den Apfelstreit. Man wird sehen, aber nicht bald; das ganze dauert wahrscheinlich noch einmal mindestens fünf Jahre. Bis dann: Boykottiert Koalas!
(Hm. Das mit den kürzeren Einträgen hat nicht so ganz geklappt. Ich lasse besser das wie immer fantastische Film Festival, den Wochenendausflug in die Weinregion, die Mondfinsternis, und alles was sonst noch so los war aus. Waren es wirklich nur zwei Monate?)
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